Vielleicht hast du meinen Beitrag über den Empfang von Bildern der Internationalen Raumstation (ISS) gelesen? Damals hatte ich mit einem simplen Setup die sogenannten SSTV-Signale aus dem All aufgefangen und dekodiert. Was als kleines Technik-Experiment begann, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.
Dieses reine Zuhören auf den Bändern - das sogennante “Shortwave Listening” (SWL) - ist für jeden völlig legal und ohne Erlaubnis möglich. Es war mein praktischer Einstieg in die Funktechnik. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie viel man mit einer einfachen Antenne aus dem Äther fischen kann: Wetterfaxe, unverschlüsselter Sprechfunk oder Satellitentelemetrie.
Irgendwann reichte mir das Zuhören nicht mehr. Ich wollte selbst senden und die Technik von Grund auf verstehen. Weil man für den aktiven Sendebetrieb eine staatliche Zulassung braucht, habe ich mich an die Arbeit gemacht. Hier teile ich meine Erfahrungen, wie der Einstieg über die im Juni 2024 neu eingeführte Einsteiger-Lizenzklasse N abläuft.
Was ist Amateurfunk eigentlich?
Amateurfunk ist ein eigenständiger Funkdienst mit klarer gesetzlicher Grundlage. Im Unterschied zu PMR-Handgeräten oder dem CB-Funk geht es hier nicht um anonyme Kurzstreckenkommunikation mit simplen Standardgeräten. Funkamateure betreiben technisch verantworteten Funk auf international koordinierten Frequenzbereichen. Kommerzielle Nutzung ist komplett ausgeschlossen. Im Vordergrund stehen die technische Weiterbildung, der internationale Austausch und das Experimentieren mit Hochfrequenztechnik.
Moderne Funkamateure machen längst nicht mehr nur analogen Sprechfunk. Es gibt digitale Übertragungsverfahren wie DMR, Schmalband-Betriebsarten für extreme Reichweiten (FT8), ein IP-basiertes Hochgeschwindigkeitsnetzwerk im Mikrowellenbereich (HamNET) und Kommunikation über geostationäre Satelliten.
Ein großes Plus für Maker ist das gesetzlich verankerte Selbstbaurecht. Bei WLAN oder Mobilfunk darf man nur industriell gefertigte, typengeprüfte Hardware verwenden. Lizenzierte Funkamateure dürfen ihre Sendeanlagen und Antennen hingegen komplett selbst bauen oder modifizieren - ganz ohne CE-Kennzeichen. Die Kehrseite: Man trägt die volle Verantwortung für die spektrale Reinheit. Wenn der Eigenbau andere Funkdienste stört, muss der Betrieb sofort eingestellt werden.
Mein Weg zur Lizenz und das Lernen im Ortsverband
Für die Vorbereitung habe ich mich beim Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) nach lokalen Ortsverbänden umgesehen. Der DARC ist der größte Verband für Funkamateure in Deutschland und eine mitgliedschaft ist definitiv empfehlenswert.
In der Gruppe haben wir den Prüfungsstoff durchgearbeitet und uns die Praxis angesehen. Ein echter Vorteil im Verein ist der sogenannte Ausbildungsfunkbetrieb. Inhaber einer Klasse A oder E dürfen ihr Rufzeichen mit dem Zusatz /T (für Trainee) für die Ausbildung nutzen. So konnte ich schon vor meiner eigenen Prüfung unter Aufsicht ans Mikrofon. Das hilft enorm, um die Funkdisziplin zu verinnerlichen und die Bedienung eines Transceivers in echt auszuprobieren.
Für das Lernen zu Hause gibt es gutes Material. Eine sehr hilfreiche Plattform ist 50ohm.de. Dort findet man den gesamten Kurs gut strukturiert online. Zum Trainieren der Prüfungsfragen nutze ich die Open-Source-App Hamfisted.
Der amtliche Fragenkatalog der Bundesnetzagentur besteht insgesamt aus 1750 Fragen. Für die Klasse N muss man ein Set aus 571 Fragen lernen:
- Vorschriften: 204 Fragen
- Betriebliche Kenntnisse: 172 Fragen
- Technische Kenntnisse (Klasse N): 195 Fragen
Das System ist modular aufgebaut. Wer später auf die höheren Klassen E oder A aufstocken will, muss “Vorschriften” und “Betrieb” nicht noch einmal ablegen. Einmal bestanden, bleiben diese Teile auf Lebenszeit gültig.
Das deutsche Klassensystem und die Frequenzen
Seit der Novellierung 2024 gibt es in Deutschland drei aufeinander aufbauende Lizenzklassen:
- Klasse N (Entry-Class): Die neue Einsteigerklasse. Der Fokus liegt auf grundlegender Gerätekunde, Blockschaltbildern und sicherem Betrieb, nicht auf komplizierter Mathematik.
- Klasse E (Novice): Die Fortgeschrittenenklasse mit erweiterten Berechtigungen (z.B. bis 100 W PEP auf Kurzwelle).
- Klasse A (HAREC): Die höchste Klasse mit allen Privilegien und bis zu 750 W PEP.
Ich habe mit der Klasse N angefangen. Sie bietet Zugriff auf drei primäre Frequenzbänder:
| Frequenzbereich | Wellenlänge | Sendeleistung N | Sendeleistung E | Sendeleistung A |
|---|---|---|---|---|
| 28,0 - 29,7 MHz | 10 m | 10 W ERP | 100 W PEP | 750 W PEP |
| 144 - 146 MHz | 2 m | 6,1 W ERP | 75 W PEP | 750 W PEP |
| 430 - 440 MHz | 70 cm | 6,1 W ERP | 75 W PEP | 750 W PEP |
Der gesamte Bandplan

Tabelle aus den offiziellen Prüfungs-Hilfsmitteln der Bundesnetzagentur. Zeigt die kompletten Frequenzbereiche sowie die maximal zulässigen Sendeleistungen, aufgeteilt nach den Amateurfunkklassen A, E und N.
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied zu den Klassen E und A. Dort wird die Sendeleistung oft in PEP (Peak Envelope Power - die reine Ausgangsleistung des Geräts) gemessen. Die Klasse N hat harte Grenzen in ERP (Effective Radiated Power) und EIRP.
ERP beschreibt die tatsächlich abgestrahlte Leistung inklusive des Antennengewinns. Ein Beispiel aus der Praxis: Betreibst du ein 5-Watt-Handfunkgerät an einer einfachen Gummiwendelantenne, bleibst du locker unter den erlaubten 6,1 Watt ERP, da diese Antenne eher Verluste hat. Schließt du das gleiche Gerät aber an eine Richtantenne auf dem Dach an, die das Signal um den Faktor 4 verstärkt (+6 dB Gewinn), strahlst du plötzlich 20 Watt ERP ab und sendest damit illegal. Genau deshalb sind Antennengewinn und Kabeldämpfung ein wichtiges Thema in der Prüfung.
Die Prüfung bei der Bundesnetzagentur
Die Prüfungen nimmt exklusiv die Bundesnetzagentur (BNetzA) ab. Termine sollte man frühzeitig online prüfen und buchen, da die Plätze oft schnell weg sind. Die Prüfungsgebühr für einen Erstanwärter der Klasse N liegt bei 68 Euro. Später kommen noch Beiträge für die Frequenznutzung und EMV dazu, das sind rund 25 bis 32 Euro im Jahr.
Die Prüfung läuft im Multiple-Choice-Format ab. Zu Beginn bekommt man einen Ordner mit den Bögen für “Vorschriften” und “Betrieb” sowie ein Antwortblatt. Nach der Abgabe und einer kurzen Pause folgt der Teil “Technik”.
Ein großer Pluspunkt: Während der Prüfung darf man eine 24-seitige Hilfsmittel der BNetzA verwenden. Man muss also keine Formeln auswendig lernen, sollte aber wissen, wie man das Ohmsche Gesetz oder den Zusammenhang zwischen Frequenz und Wellenlänge berechnet. Es lohnt sich, die Formelsammlung vorher gut zu studieren, damit man am Prüfungstag direkt weiß, wo was steht.
Pro Bereich gibt es 25 Fragen. Mit mindestens 19 richtigen Antworten gilt der Teil als bestanden. Wer knapp scheitert und 17 oder 18 Punkte erreicht, bekommt die Chance auf eine mündliche Nachprüfung, um die fehlenden Punkte auszugleichen.
Bei unserem Termin waren sowohl absolute Einsteiger als auch Leute für ein Upgrade auf Klasse E dabei. Kurz vor Beginn konnte man sich noch entspannt austauschen und etwas plaudern.
Die Prüfer werten die Bögen direkt vor Ort mit einer Schablone aus. Wenn alles passt, nimmt man die Einsteiger-Amateurfunk-Prüfungsbescheinigung am selben Tag direkt mit nach Hause.
Das eigene Rufzeichen beantragen
Mit der Prüfungsbescheinigung steht der letzte administrative Schritt an: Man beantragt die “Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst”. Das kostet einmalig 20 Euro. Erst mit personengebunden Rufzeichen ist der Sendebetrieb erlaubt.
Der deutsche Rufzeichenplan folgt einem festen System. Für die Klasse N vergibt die BNetzA aktuell das Präfix DN9. Die Ziffern 0 bis 8 im DN-Block bleiben noch bis 2028 für alte Ausbildungsrufzeichen reserviert. Den Suffix (die letzten Buchstaben) kann man sich oft aussuchen. In der Rufzeichendatenbank der Bundesnetzagentur lässt sich vorher prüfen, ob das eigene Wunschrufzeichen, wie etwa DN9BRO noch frei ist.
Eine Sache sollte man beim Thema Urlaub beachten: Die Klassen A und E sind durch internationale Abkommen (wie CEPT) in vielen anderen Ländern anerkannt. Für die neue Klasse N gibt es so eine weitreichende Regelung noch nicht. Das DN9-Rufzeichen gilt primär für den Funkbetrieb innerhalb Deutschlands.
Rufzeichen, und jetzt?
Sobald die Urkunde im Briefkasten liegt, kann es losgehen. Antenne anschließen, Frequenz einstellen und das erste Mal ganz offiziell die Sendetaste drücken.
Dafür muss man nicht direkt ein Vermögen ausgeben. Für den Start reicht ein einfaches Handfunkgerät völlig aus, um über das lokale Relais mit anderen zu sprechen. Das erste eigene QSO (Funkgespräch) ist eine komplett andere Erfahrung als das reine Zuhören. Meistens meldet man sich in einer netten Runde auf dem lokalen Relais oder ruft einfach mal “CQ” (den allgemeinen Anruf an alle).
73 (die Funker-Version von “Viele Grüße”)
